Krankheitsentstehung & Verlauf

Pathologische Glücksspielsucht bedeutet.....

unter anderem, dass wiederholt und dauerhaft gespielt wird, obwohl sich negative finanzielle, soziale oder psychische Konsequenzen abzeichnen oder bereits vorliegen. Wesentlich sind eine starke gedankliche Beschäftigung mit dem Spielen und eine verminderte Kontrolle über Beginn, Ende und Ausmaß der Spielhandlungen. Es ist ein typisches Element der Erkrankung, dass das aufgeführte Problemverhalten häufig nicht wahrgenommen, sondern bagatellisiert und verleugnet wird.
Spielfrequenz und Einsatz müssen sich steigern, um noch das gleiche Glücksgefühl und den Nervenkitzel zu bekommen. Im Laufe der Zeit verliert der Spieler die Kontrolle, in dieser Phase stellen sich schwerwiegende Folgeprobleme ein.

Wie kann Spielen süchtig machen?
Glücksspiele jagen Spieler/-innen durch ein Wechselbad der Gefühle:
In der Gewinnphase erleben Spieler/-innen ein Wohlbefinden aus Euphorie, Erfolg, Macht und Phantasie. In der Verlustphase hingegen erleben sie Enttäuschung, Niedergeschlagenheit und Minderwertigkeitsgefühle bis hin zu Panik. Dieses extrem negative Verlusterleben findet jedoch nicht statt, wenn sofort der nächste Einsatz möglich ist, da somit erneute Hoffnung auf den Gewinn entsteht.
Je schneller man ein neues Spiel beginnen kann, umso größer ist das Suchtpotenzial.

Funktion des Spielens
Das Spielen selbst dient dazu, Problemen oder negativen Stimmungen (Ängsten, Depressionen, Schuldgefühlen) zu entkommen. Immer höhere Beträge werden eingesetzt, um Spannung und Erregung aufrechtzuerhalten. Pathologisches Glücksspiel beherrscht die Lebensführung des betroffenen Menschen und führt zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen. Glücksspiel stellt analog zum Gebrauch psychotroper Substanzen eine effektive, aber unzureichende Strategie zur Verarbeitung von Stress und Belastungen dar.
Siegermythos
Spieler/-innen möchten so gerne Sieger im Spiel um das Glück sein: der coole, gelassene Typ, der mit großer Risikobereitschaft wagt und gewinnt. Er/Sie möchte Anerkennung und Wertschätzung. Spieler/-innen träumen davon, viele wunderbare Dinge zu realisieren, sobald der große Gewinn kommt. Spieler/-innen möchten ein bequemes, angenehmes Leben. Wenn süchtige Spieler/-innen gewinnen, spielen sie weiter um sich noch größere Träume zu realisieren. Wenn süchtige Spieler/-innen verlieren, spielen sie verzweifelt weiter und das Elend wird bodenlos, während die Traumwelt zerbricht. Spieler/-innen glauben fest daran, dass Träume irgendwann Wirklichkeit werden, denn ohne diese Träume wäre das Leben unerträglich.

Krankheitsverlauf

1.Phase: Gewinnphase
- Gelegentliches Spielen
- Positive Empfindungen vor und während des Spiels
- Unrealistischer Optimismus
- Entwicklung von Wunschgedanken
- Setzen immer größerer Beträge

2. Phase: Verlustphase
- Bagatellisierung der Verluste, Prahlerei mit Gewinnen
- Entwicklung der Illusion, die Verluste seien durch Gewinne abgedeckt
- Häufigeres Spiel alleine
- Häufigeres Denken an das Spiel
- Verheimlichung von Verlusten und Lügen über Verluste
- Vernachlässigung von Familie und Freunden
- Aufnahme von Schulden und Krediten
- Unfähigkeit, dem Spiel zu widerstehen

3. Phase: Verzweiflungsphase
- Gesetzliche und ungesetzliche Geldbeschaffungsaktionen
- Veränderungen der Befindlichkeit: Reizbarkeit, Irritationen, Ruhelosigkeit, Schlafstörungen
- Völliger gesellschaftlicher Rückzug
- Vollständige Entfremdung von Familie und Freunden
- Ausschließliche Verwendung von Zeit und Geld für das Spiel
- Gewissensbisse und Panikreaktionen
- Hass gegenüber anderen (vor allem gewinnenden) Spielern
- Hoffnungslosigkeit, Selbstmordgedanken bzw. -versuch

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