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„Jugendschutz fängt immer zu Hause an“

Rauchen ist für Jugendliche kein großes Thema mehr, Alkohol dagegen schon. Interview mit Inge Heymann und Andreas Schön.

 

Düren. Kinder, die weniger Zugriff auf Alkohol und Tabak haben, werden als Erwachsene weniger suchtkrank. Das ist das Ergebnis der „Euregionalen Jugendstudie“, ander auch knapp 2100 Jugendliche der Klassen acht und zehn teilgenommen haben. Im Gespräch mit Sandra Kinkel erklären Inge Heymann und Andreas Schön von der Drogenberatungsstelle, warum Jugendschutz zu Hause anfängt und warum Alkohol so gefährlich ist.

Sind erhöhter Konsum von Alkohol und Tabak bei Jugendlichen ein Problem?

Inge Heymann: Beides ist ein wichtiges Thema, wobei man schon sagen muss, dass Tabakkonsum keinen große Bedeutung mehr hat. Auch die hohe Zahl von Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol konsumieren, ist deutlich niedriger geworden. Trotzdem hat der Alkoholkonsum gerade bei Jugendlichen einen hohen Stellenwert.

Warum haben Tabak und Nikotin an Brisanz verloren?

Heymann: Rauchen ist einfach uncool geworden. In der Öffentlichkeit wird kaum noch geraucht. Die gute Aufklärungsarbeit und die zahlreichen Kampagnen gegen das Rauchen haben Wirkung gezeigt. Rauchen spielt einfach in der Selbstdarstellung bei Jugendlichen keine Rolle mehr.

Und das ist beim Alkohol anders?

Heymann: Wie gesagt, bemerken wir schon, dass der regelmäßige Konsum von Alkohol bei Jugendlichen abgenommen hat. Auch das ist sicherlich auf eine gute Präventionsarbeit zurückzuführen. Aber einzelne Trinkexzesse zu besonderen Anlässen gibt es immer noch. Häufig wollen Jugendliche auch einfach ihre Probleme und Gefühle wegtrinken.
Andreas Schön: Bei den zwölf- bis 17-jährigen Mädchen hat das Rauschtrinken sogar leicht zugenommen. Das Thema hat also wirklich für uns eine große Brisanz.

Und was entgegen Sie dem?

Schön: Es gibt seit zwei Jahren ein gemeinsames Präventionsprojekt der Drogenberatungsstelle und des Krankenhauses Düren. Bei riskantem Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen beraten wir die Jugendlichen selbst, sprechen aber natürlich auf mit den Eltern. Zudem haben wir einen Risiko-Check entwickelt hat, bei dem die Kinder lernen sollen, nicht nur das eigene Risikoverhalten besser einzuschätzen, sondern auch Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen. Außerdem gibt es ein Gruppenangebot, bei dem die Jugendlichen hinterfragen sollen, warum sie überhaupt trinken, warum der Verzicht schwerfällt und welche Alternativstrategien sie entwickeln können.

Wie ist denn überhaupt die rechtliche Situation: Ab wann dürfen Jugendliche Alkohol trinken?

Heymann: Das Jugendschutzgesetz ist da sehr eindeutig. Ab 16 Jahren dürfen Bier, Wein und Sekt getrunken werden. Harter Alkohol, also beispielsweise Schnaps, und übrigens auch Zigaretten dürfen erst ab 18 Jahren konsumiert werden.
Schön: Wobei man an der Stelle sagen muss, dass es Bestrebungen gibt, auch den Konsum von Bier, Wein und Sekt erst für Jugendliche ab 18 Jahren zu erlauben. Einfach, um an der Stelle den Jugendschutz noch einmal zu verstärken.

Halten Sie das für sinnvoll?

Schön: Alkohol, der in hohem Maße konsumiert wird, wirkt neurotoxisch, das heißt, er birgt ein hohes Risiko für die körperliche und psychische Gesundheit. Viele wissen nicht, dass Alkohol nach Heroin, Kokain und Barbituraten, also Schlafmitteln, das viertgrößte Gesundheitsrisiko bedeutet. So gesehen ist größtmöglicher Jugendschutz natürlich sinnvoll.

Welche Rolle spielen Eltern?

Schön: Jugendschutz fängt immer zu Hause an. Das ist einfach so. Natürlich können Eltern nicht generell verhindern, dass ihre Kindern Alkohol trinken, auch nicht vor dem 16. Lebensjahr. Aber es ist wichtig, dass Eltern eine klare Haltung haben.

Das heißt, ihren Kindern Alkoholkonsum rigoros verbieten? Oder ist es sinnvoll, ab und zu ein Gas Bier oder Wein im Beisein der Eltern zu erlauben?

Heymann: Ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, den Konsum von Alkohol bei Kindern und Jugendlichen in irgendeiner Form zu fördern. Alkohol hat gerade bei Kindern eine sehr berauschende Wirkung. Die Gefahr, abhängig zu werden, ist einfach sehr hoch. Das sollten Eltern nicht unterschätzen. Genauso wenig Sinn macht es aber auch, Alkohol total zu verteufeln. Ein strenges Verbot mit harten Konsequenzen kann auch die Neugier bei Kindern und Jugendlichen steigern.

Ein Ergebnis der Euregionalen Jugendstudie ist, dass ein Viertel der Befragten mit ihren Eltern eine Alkoholverzicht-Absprache getroffen hat. Ist das ein guter Weg?

Heymann: Das kann durchaus ein Weg sein, aber noch wichtiger ist, dass Eltern ihren Kindern ein Vorbild sind und einen vernünftigen Umgang mit Alkohol vorleben.
Schön: Außerdem ist es natürlich wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern über Alkohol sprechen und mögliche Gefahren aufzeigen. Erklären, dass man nicht zu viel, nicht zu schnell und möglichst keine harten Sachen trinken soll. Kinder sollten erfahren, und das am besten auch in ihrem Elternhaus, dass man auch ohne Alkohol fröhlich feiern und Spaß haben kann. Darüber hinaus sollten Eltern sich wirklich für das Leben ihrer Kinder interessieren. Sie sollten immer wissen, wo ihre Kinder sind, wie sie denken, was sie in ihrer Freizeit machen und mit wem sie unterwegs sind. Ich glaube, dann ist schon viel gewonnen.

Alkohol und Zigaretten von den Eltern bekommen

Inge Heymann ist gelernte Diplom-Sozialarbeiterin und ausgebildete Suchttherapeutin. Sie arbeitet seit 35 Jahren bei der Drogenberatungsstelle, deren Leitung sie vor zwei Jahren übernommen hat. Andreas Schön ist Sozialpädagoge und Suchttherapeut und betreut in erster Linie die Alkohol-Präventionsprojekte der Drogenberatungsstelle.

Bei der „Euregionalen Jugendstudie“ sind Jugendliche zu ihren Lebensbedingungen und ihrem Risikoverhalten befragt worden. Dabei wurde unter anderem der Einfluss der Eltern auf den Alkohol- und Tabakkonsum der Jugendlichen näher betrachtet.

37 Prozent der Achtklässler und 25 Prozent der Zehntklässler haben mit ihren Eltern eine Alkoholverzicht-Absprache getroffen. Immerhin acht Prozent der Achtklässler und 46 Prozent der Zehntklässler glaubten, dass sie in Anwesenheit ihrer Eltern zu Hause ein Glas Alkohol trinken dürften. Ein Viertel der befragten jungen Leute gab sogar an, in den vergangenen vier Wochen Alkohol von ihren Eltern bekommen zu haben. Zigaretten erhielten elf Prozent der rauchenden Jugendlichen.

„Wichtig ist, dass Eltern ihren Kindern Vorbild sind und einen vernünftigen Umgang mit Alkohol vorleben.“

Inge Heymann, Drogenberatung


 

Aids darf nicht in Vergessenheit geraten

Rund 90 Schülerinnen von St. Angela wenden sich am Welt-Aidstag in der Fußgängerzone an Passanten

 

Düren. „Schleife zum Welt-Aidstag?“ fragten rund 90 Schülerinnen des St.-Angela-Gymnasiums, Psychologin Dorothe Steinweg und Jugendarbeiterin Andrea Hoven, beide von der Drogenberatung der Caritas, in der Fußgängerzone in Düren unzählige Passanten. Die meisten gingen bei regnerischem Wetter weiter, ohne überhaupt den Blick zu heben. Einige allerdings blieben stehen und nahmen eine rote Schleife entgegen. Auch klapperte es in den Spendendosen, etwa von Dana Zeuß und Katharina Schwartz.

Schleifenverteilung

Seit 15 Jahren geht Andrea Hoven in die Dürener Schulen, um Aufklärung zu leisten. Seit 14 Jahren übernehmen die Neuntklässlerinnen der Angela-Schule die Schleifenverteilung. Hoven: „Leider machen nicht alle Dürener Schulen bei der Aufklärungs-Aktion mit.“ Was sie ebenso wie Inge Heymann, die Leiterin der Caritas-Drogenberatungsstelle in Düren, feststellte: „Die Jugend ist vernünftiger geworden und schützt sich.“ Heymann: „Das Thema darf aber nicht in Vergessenheit geraten, weltweit sind die Aids-Zahlen steigend, gerade der osteuropäische Raum ist betroffen. Die Gefahr ist nicht gebannt.“ (gkli)

Über Liebe, Leben und Sterben

Theaterensembles führen für St. Angela Stücke zur Aidsproblematik auf

Düren. Vor Schülerinnen der neunten Klassen der Realschule und des Gymnasiums St. Angela führten die Theaterensembles „Theaterspiel“ und „Movingtheatre“ aus Witten das Stück „Dossier-Ronald Akkermann“ zur Aidsproblematik in der Endart in Düren auf. Die Initiative kam von der Caritas-Drogenberatung Düren.

Das Jugendstück ist die Geschichte über die Liebe, das Leben und das Sterben an der Krankheit Aids. Sehr interessiert verfolgten rund 180 Zuhörerinnen das Theaterstück.

An der Diskussion beteiligten sie sich rege und stellten vor allem persönliche Fragen zum Umgang mit der Krankheit und den Betroffenen. Im Vorfeld waren die Schülerinnen in sexualpädgogischen Prophylaxeveranstaltungen von den Mitarbeitern der Drogenberatung über HIV und Aids anschaulich aufgeklärt worden.

Schließlich dankte die Drogenberatung der St.-Angela-Schule für die alljährliche Unterstützung am Welt-Aids-Tag am Dienstag, 1. Dezember. Die Schülerinnen beteiligen sich seit über zehn Jahren an der Spendensammlung.


 

Es geht auch lecker ohne jede Promille

Die Kampagne „Null Alkohol, voll Power“ kommt bei Jugendlichen der Goltsteinschule gut an

Inden/Altdorf. Wer das Schülercafé der „Goltsteinschule“ in der Pause betritt, dem läuft das Wasser im Munde zusammen. Appetitliche Cocktails, stilecht wie in der Disco mit gefärbtem Zucker am Gläserrand, mit frischen Früchten und Papierschirmchen garniert, locken die Schüler in Scharen. Natürlich sind die Drinks ohne Alkohol, denn nur „100 Prozent alkoholfrei ist 100 Prozent Spaß“.

Drei Alternativen

So heißt es in der bundesweiten Anti-Alkohol-Kampagne „Null Alkohol, voll Power“ für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren. Zum kleinen Preis von je 50 Cent pro Glas stehen drei alternative Geschmacksrichtungen bereit. „KiBa“ ist Kirsch- und Bananensaft mit einer großen Banane, „Goldener Oktober“ ist aus Preiselbeerensirup mit Pfirsichnektar und Ananassaft zusammengemixt, und die „Fruchtbombe“ besteht aus Kirsch-, Ananas- und Zitronensaft und Kirschsirup. Die ausliegenden Informationsbroschüren der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ enthalten noch etliche weitere Cocktailrezepte zum Selbermixen für alle Jahreszeiten.

Neben jeder Menge Information darüber, dass Alkohol vor allem für Jugendliche niemals risikoarm ist, hilft die Aktion auch im Gruppenzwang und liefert Gegenargumente wie: „Ich muss noch knutschen“, oder „Lieber fit statt breit und fett“.

Wie stehen die Goltstein-Schüler in ihrem Leben zum Thema Alkoholkonsum? „Ab und zu auf einer Party kann man das mal machen, aber nicht andauernd“, sagt die 14-jährige Lea Amberg. „In der Schule ist es überhaupt nicht gut, Alkohol zu trinken. Und sonst ist es ja eigentlich auch nicht gesund für den Körper“, meint Alina Krischer.

Die Kampagne, die bundesweit bereits seit Jahren läuft, fand nun zum ersten Mal im Rahmen der Projektwoche in der Goltsteinschule statt, in Kooperation mit der Drogenberatung Düren. „Wenn das jetzt gut läuft, machen wir das noch mal“, da sind sich Andrea Hoven von der Drogenberatung und Schulsozialarbeiterin Michaela Daniel einig.

Zur Kampagne zählte auch eine Drogenprophylaxe im Vorfeld. Wie sieht die Situation im Kreis aus? Als „allgemeine Risiken“ benennt Hoven Alkohol, Shisha (Wasserpfeife arabischen Ursprungs) und Cannabis. Dabei werde Alkohol als so normal angesehen, dass es „schwierig ist, dagegen anzukämpfen“.

Die Shisha gilt durch ihren Effekt der Wasserkühlung als gesünder als anderer Tabakkonsum, was aber nicht stimmt: Man rauche durch die Tiefe der Inhalation und die Länge der gemütlichen Shisha--Runde „sehr viel intensiver als eine Zigarette“. Während die Hippies früher eher „Bio-Cannabis“ geraucht haben, sei der THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol) durch künstliche Zusätze inzwischen deutlich gestiegen. Folgen könnten Cannabis-induzierte Psychosen sein.

Seit einem halben Jahr bietet die Inden/Altdorfer Goltsteinschule im Übrigen montags und dienstags im Schülercafé kostenlosen Rohkostverzehr an. Die Schüler essen mit Begeisterung nicht nur Apfel- und Bananenscheiben und Weintrauben, sondern auch Tomaten-, Paprika- und Kohlrabistreifen. „Viele kannten das überhaupt nicht“, betont Michaela Daniel. „Leider bekommen wir das Gesundheitsangebot über die Krankenkasse nicht finanziert“, bedauert sie. (ptj)

„Wenn das jetzt gut läuft, machen wir das noch einmal.“

Andrea Hoven, Drogenberatungsstelle Düren

 

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